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Undine

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Von mir erstellte Themen

Sonne, Neptun und die Suche nach Zugehörigkeit

16 Januar 2012 - 05:42

Einer meiner ersten Artikel hier drehte sich um die Sonne-Neptun-Konstellation. Wenn ich jetzt, ein Jahr später, nur auf die Überschrift dieses Artikels blicke, bin ich schon sehr erstaunt. Wie zutreffend, im Rückblick auf das, was das letzte Jahr über in meinem Leben so alles geschehen ist. Und das Lebensgefühl, das ich großteils hatte, ist das, was ich in diesem, vergangenen Artikel “Identitätskrise” nenne.

Im aktuellen Solar (Jahreshoroskop), das immer noch bis zu meinem Geburtstag gilt, steht die Sonne in Haus 12, wie in meinem Geburtshoroskop. Also ein Sonne-Neptun-Thema dieses Jahr, verstärkt. Es ist ohnehin immer da, durch meinen Sonnenstand und die Sonne-Neptun-Opposition in meinem Horoskop.

Die ewige Suche

Mir sind heute noch spontan einige Bilder in den Sinn gekommen, die die Thematik von Sonne-Neptun beschreiben: die ewige Suche nach dem richtigen Platz im Leben. Es ist die Suche nach dem Leben, nach der eigenen Lebendigkeit, der je eigenen Ausdrucksweise, wie im vergangenen Artikel beschrieben. Es ist aber auch, und das ist oft die konkrete Auswirkung davon, das Suchen des Ortes, der Gemeinschaft, dem Platz, an dem man sich zuhause und zugehörig fühlt. Vorwegnehmend kann ich schon sagen, dass das Ganze natürlich darauf hinausläuft, eben nirgends richtig “daheim” zu sein. Oder besser: Überall und nirgends. Sonne-Neptun -Menschen haben etwas Ungreifbares an sich: Anpassungsfähig und veränderlich, fügen sie sich schnell in (oft auch ungeeignete) Strukturen ein. Chamäleonartig. Bis wieder die Erkenntnis kommt: Und hier gehöre ich wieder nicht hin. Wieder Heimat- und Orientierungslosigkeit. Und wieder die Suche nach den nächsten sich bietenden Strukturen, in die sich die ratlose Neptun-Sonne hineinbegeben kann.

Ein ewiger Teufelskreis? Die Gefahr ist sicher groß. Das einzige, was diese Angst (und es ist immer eine tiefsitzende Lebensangst, die den Sonne-Neptun-Menschen in die ewig-aussichtslose Suche treibt) lösen kann, ist der Weg in die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Es sind gerade Menschen mit diesen Veranlagungen, und hier spreche ich ganz einfach auch von mir persönlich, deren wichtigste Aufgabe im Leben zu sein scheint, wirklich aus sich selbst etwas ins Leben zu bringen, und das nicht im Aussen, im Vorgegebenen zu suchen. Ich brauche mich nicht einzufügen, ich brauche auch nirgends “dazugehören” – wenn ich in klaren Momenten diese Erkenntnis vor mir sehe, ist das wie ein Aufatmen.

Etwas Besonderes sein?

Letzte Woche habe ich meine Mutter darauf angesprochen, dass ich immer wieder in Situationen, öfter noch: in Gruppen gerate, wo ich plötzlich das Gefühl bekomme, nicht hinzugehören. Das kann so plötzlich kommen, dass ich regelrecht erschrecke. Vor allem dann, wenn ich mir vorher sicher war, am richtigen Platz zu sein. Die -wie immer kurze und sehr prägnante Antwort ihrerseits: Ja ich weiss, du möchtest etwas Besonderes sein. Im ersten Moment wehrte sich alles in mir gegen diese Aussage. Ich wehrte ab: Nein, ich werde eben unsicher, habe Angst, am falschen Ort zu sein. Meine Mutter darauf: Aber du bist etwas Besonderes, einfach anders als die meisten Anderen. Mein Bauchgefühl sagte hier sofort JA. Bin ich etwas Besonderes? Eine große Versuchung, die ich bei mir genauso erfahren habe, ist die, sich seiner selbst plötzlich zu sicher zu sein. Die Grenze zwischen Größenwahn und tiefgreifenden Selbstzweifeln und Durchsetzungsschwäche ist bei Sonne-Neptun-Menschen, also auch bei mir, nicht klar auszumachen. Das führt bei mir oft dazu, dass ich mich einer Sache, einem Menschen, einem Ziel sehr schnell verschreibe, nur um dann, nach der logischen Enttäuschung, mir meiner selbst überhaupt nicht mehr trauen zu können. Wer bin ich eigentlich wirklich? Nach Phasen zu starker Anpassung kommt als Konsequenz die echte Sonne-Neptun-Lebenskrise. Das “Besondere” ist das im wörtliche Sinne “Ab-Sondernde” an einem Sonne-Neptun-Menschen. Ich erfahre das an mir selber: Ich suche die Zugehörigkeit in Systeme, Gruppen, Weltanschauungen dann verstärkt, wenn ich mich schwach und orientierungslos fühle, nur um dann erst recht ernüchtert und letzten Endes geschwächt zu werden durch die Erkenntnis, keine Zugehörigkeit zu finden.

Die klassische Aussenseiterkonstellation? Möglich. Es ist eben notwendig, hier nicht zu werten: Es ist nicht gut oder schlecht, zum Beispiel in Gruppen, am Rand zu stehen. ich erinnere mich hier an Wolfgang Döbereiner, wenn er vom “outlaw” spricht: Immer wieder betont er, der Astrologe habe ein outlaw zu sein. Er ist nicht zugehörig. Aber gerade deshalb ist er frei, unabhängig, und kann ohne Bewertungen und Beurteilungen Deuten und Verstehen.  Ich erlaube mir, dass zu erweitern auf Menschen mit dominantem Neptun und Sonne-Neptun-Themen. Die Lösung ist die, nicht dazuzugehören, und gerade deshalb eigenständig und ohne Anpassungszwänge leben zu können.

Ein kleines Stück weiter auf diesem Weg bin ich im vergangenen Jahr mit Sicherheit gekommen.


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Neues Jahr, neue Jahreskarte: Die Liebenden

02 Januar 2012 - 03:23

Ein Jahr ist es her, seit ich begonnen habe, Artikel zu schreiben – und in  meinem ersten Artikel der hier veröffentlicht wurde, habe ich meine Jahreskarte aus dem Tarot für 2011 beschrieben.

Ein ganzes Jahr (unter dem Signum des Sterns aus dem Tarot) ist seither vergangen. Ich muss zugeben, ich habe mir dieses Jahr zu Beginn anders vorgestellt. Ich bin – im Nachhinein verstehe ich es so – mit viel zu vielen Vorstellungen und Plänen in das Jahr gegangen. Die Jahreskarte, der Stern, hat mich motiviert – eine sehr positive Karte. Sie steht für das Schöpfen aus den Quellen, die Erfüllung, das Finden zu sich selber. Dennoch: Im Grunde ist das auch so gewesen, auch wenn es sich nicht immer nur gut für mich angefühlt hat. Aber wer sagt denn, dass sich das Zurückfinden zu seinen wahren inneren Quellen, die Suche nach der eigenen Bestimmung, immer nur gut anfühlen muss? Bei allen Zweifeln und Unruhen und den Veränderungen, die sich in diesem vergangenen Jahr eingestellt haben, bin ich ein Riesenstück weiter bei mir selber angekommen. Also: Der Stern behält am Ende recht.

Natürlich habe ich in der Neujahrsnacht wieder eine Karte gezogen. Besser gesagt, sogar zwei: Zuerst aus meinen Schatzkarten, die ich seit langem immer wieder mal zur Inspiration verwende. Hier kam die Ausdauer zu mir – hat mich (Krebs-AC. Wer ist da schon erfreut, wenn es um die Fähigkeit zur Ausdauer geht??)

Die Schatzkarten von Brigitta Lipold

Natürlich ist mir klar, dass das Ziehen dieser Karte für mich (gerade deshalb…) Sinn macht.

Aus dem Tarot (aus dem ich zu diesem Zweck nur die Grossen Arkana verwende) habe ich Die Liebenden gezogen.

Die Liebenden aus dem Rider-Waite-Tarot

Diese Karte habe ich, aus vielen Legungen und Ziehungen, schon sehr oft gezogen. Ich mag diese Karte sehr gerne – sie erinnert mich auch an das Symbol meines Sonnenzeichens, die Zwillinge. Im Grunde geht es bei dieser Karte aber um das Thema der Entscheidung, genauer der Herzensentscheidung. Das heisst, eine Entscheidung, die aus klarem und vollem Herzen getroffen wird, und meinen Lebensweg insofern weiterbestimmt, als sie mich auf meinen eigenen, mir bestimmten Weg weiterbringt. Warum komme ich auf diese Deutung?

Die Karte, auf der die oben dargestellte Version aus dem Rider-Waite-Tarot basiert, ist eine Darstellung, auf der ein junger Mann zu sehen ist. Er steht zwischen seiner Mutter und seiner zukünftigen Frau, er muss sich nun entscheiden (im Grunde ist natürlich klar, für wen er sich entscheiden wird. Zumindest wünschen wir ihm alle, er möge sich für die Geliebte und zukünftige Ehefrau entscheiden ;-) ). Die Entscheidung also, sich aus seiner Vergangenheit heraus, aus seiner Herkunft und seinen Wurzeln heraus den eigenen Weg weiterzugehen. Herauszuwachsen, ohne die Wurzeln abzutrennen.

Die Liebenden im Tarot von Marseille

In seinem Buch Tarot und die Reise des Helden beschreibt Hajo Banzhaf das Thema dieser Karte als den Moment der bewussten Entscheidung für den weiteren Lebensweg, den jeder Mensch auf seiner “Heldenreise” (in Anlehnung an zahlreiche mythische Beschreibungen, die bildhaft das Leben des Menschen als Heldenreise beschreiben, in der der Hauptakteur viele Aufgaben lösen muss, um zu seiner Bestimmung und Erfüllung zu gelangen) erlebt:

Diese eindeutige Entscheidung aus freien Stücken und vollem Herzen gehört sicherlich zu den höchsten Glückserfahrungen auf dem Bewusstwerdungsweg. Die dazugehörige Beherztheit und Entschiedenheit ist nicht nur das Thema dieser Karte sondern auch Voraussetzung für jede Heldenreise, die ohne die Entscheidung, das Elternhaus zu verlassen, gar nicht stattfinden würde. Das Motiv der älteren Tarotkarte war in der Malerei beliebt, wo man es bezeichnenderweise als “die Entscheidung” oder “Scheideweg” nannte.

 

Der Scheideweg des Herakles, dargestellt von Hans Cranach (+1537)

Auch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, wird mir immer noch klarer, von Zeile zu Zeile, wie ich diese Beherztheit brauche. Dass ich an einer Weggabelung in meinem Leben angekommen bin, ist mir schon länger klar. Aber bisher fehlte mir oft der Mut und eben diese Beherztheit, mich klar für eine weitere Aufgabe und einen Weg zu entscheiden. Hier geht es nicht mal um das Richtig oder Falsch einer Entscheidung – sondern rein darum, ein Zuviel an Zweifeln ablegen zu können und mit Freude einen Weg einzuschlagen, egal ob ich jetzt weiss, wie er weitergeht, oder nicht. Möglicherweise kommt mir gerade hier die Ausdauer auch gerade recht. Ich war immer schon versucht, etwas gleich aufzugeben, wenn es sich nicht sofort vollkommen perfekt anfühlt. Vielleicht habe ich mir selber auf diese Weise viele wetrvolle Erfahrungen vorenthalten, die ich jetzt eben nachholen darf.

Zusammengefasst: Die Jahreskarte, die ich zu Silvester für 2012 gezogen habe, entsprechen meinem Bauchgefühl, das sich seit einiger Zeit beimir eingestellt hat, gut: Die Zeiten des ewigen Zweifelns und Nachdenkens, die auch viele Artikel hier im Blog seit Monaten prägen, allem voran wenn es um meinen momentanen beruflichen Weg und meine Ziele geht,  dürfen sich jetzt mal verabschieden. Ist auch wirklich an der Zeit :-)

Die Karte, auf der die oben dargestellte Version aus dem Rider-Waite-Tarot basiert, ist eine Darstellung, auf der ein junger Mann zu sehen ist. Er steht zwischen seiner Mutter und seiner zukünftigen Frau, er muss sich nun entscheiden (im Grunde ist natürlich klar, für wen er sich entscheiden wird. Zumindest wünschen wir ihm alle, er möge sich für die Geliebte und zukünftige Ehefrau entscheiden ;-) ). Die Entscheidung also, sich aus seiner Vergangenheit heraus, aus seiner Herkunft und seinen Wurzeln heraus den eigenen Weg weiterzugehen. Herauszuwachsen, ohne die Wurzeln abzutrennen.

Ausdauer


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Beschauliche Momente mit einer Katze

21 Dezember 2011 - 08:02

Darf ich vorstellen: Das ist meine Katze. Mein Kater, um genau zu sein:

Mein Kater Columbus

Es ist an der Zeit, ihm auch einmal ein paar Zeilen in meinem Blog zu widmen :-)

Zugegeben, das hat jetzt nix mit Astrologie zu tun (obwohl: interessant wäre, woher kommt meine Affinität zu Katzen? Krebs-AC? Mond in Haus 8? Pluto??).

Mein Kater ist ja ansonsten eher von der Sorte “wildes Raubtier”, viel draußen, schleppt er auch mal Beute an, die halb so groß wie er selber ist. Aber gestern zeigte er sich mal von der kuscheligen Seite. Mittags, die Kleine war schon im Bett, die Große noch nicht von der Schule daheim, setzte ich mich aufs Sofa, und überlegte, was ich bis zum Kochen noch anpacken könnte. Da setzt sich der Kater zu mir – neben mir rollt er sich ein und schläft auch gleich. Spontan hab ich mich dann einfach zu ihm gelegt – ich muss sagen, die gemütlichsten und beschaulichsten fünfzehn Minuten des Tages. Ich muss wohl auch kurz eingeschlafen sein, und erwachte mit einem so entspannten Gefühl im Bauch – wunderbar. Es gibt eben viele Dinge, dich ich auch von meiner Katze noch lernen kann :-)

 


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Nachtrag zu Maria

20 Dezember 2011 - 08:00

Zum besseren Verständnis für Nicht-Theologen: Die Septuaginta ist die griechische Übersetzung des Alten Testaments – hier ist die bekannte Textstelle in Jes 7,14 zu finden, die dann auf Maria und die Geburt ihres Sohnes Jesus bezogen wird:

„Deshalb wird mein Herr selbst dir ein Zeichen senden: Siehe, die junge Frau wird schwanger und gebiert einen Sohn, und sie wird ihn Immanuel nennen.“

Die alma, also die “junge Frau”, wird zur “Jungfrau”.

 

Die berühmte Sixtinische Madonna von Raffael

Und noch etwas: Maria, die mütterliche, junge, mädchenhafte Frau ist ein Bild, eines von vielen, die uns, gerade uns Frauen Vorbild wirken können. Natürlich gibt es noch mehr, und es ist bezeichnend, dass sich in der Kirchengeschichte dieses eine Bild von Maria so stark durchgesetzt hat. Die sich zurücknehmende, hörende, aufnehmende und empfangende Frau ist ein wunderbares Bild – aber es ist nicht das alleingültige Ideal einer Frau, wie es aber dennoch implizit immer wieder vermittelt worden ist.

Maria selbst – die historische Maria abseits aller theologischen Spekulationen und Ausschmückungen – dürfen wir uns durchaus auch als sehr mutiges und unkonventionelles Mädchen vorstellen: Sicherlich hatte sie mit vielen Vorurteilen und Anfeindungen zu kämpfen. Man bedenke nur, zu diesen Zeiten, vor der Ehe schwanger – ein Skandal…


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Maria – eine Mondfrau?

19 Dezember 2011 - 11:03

Das Evangelium vom gestrigen, vierten Adventsonntag, gehört zu den für mich absolut berührendsten Bibeltexten überhaupt. Ich kann gar nicht genau sagen, warum, aber die Verkündigung an Maria durch den Engel Gabriel, sie werde bald schwanger und ein Kind zur Welt bringen, hat mich schon immer fasziniert.

Verkündigungsszene, gemalt von Jean Poyer (+1503)

Warum ist das so? Was ist und war Maria für eine Frau, dass sie Menschen auf der ganzen Welt immer wieder und immer noch so anspricht und fasziniert? Ich gehöre nicht zu der Sorte frommer MarienverehrerInnen, die geradezu fanatisch daran festhalten, Heilung sei nur in Lourdes oder Fatima oder an sonstigen Marienerscheinungsorten möglich. Ich glaube auch nicht an Maria wie an eine Gottheit. Ganz im Gegenteil: Das Faszinierende an Maria ist für mich ihre einfache, menschliche Art und ihre Empfänglichkeit für das Göttliche, im wörtlichen wie übertragenen Sinn. In der Bibelstelle, die ich gestern im Gottesdienst so genossen habe, wird erzählt, wie der Engel Gabriel Maria überrascht. Es wird gesagt, Maria sei eine Jungfrau (griech.  παρθένος , parthenos). Diese Bezeichnung ist irreführend und (leider) im Laufe der Kirchengeschichte oft im Zuge einer Ablehnung und Skepsis gegenüber Sexualität, gerade weiblicher Sexualität, im geschlechtlichen Sinne interpretiert worden. Möglich ist das gemacht worden durch die erste griechische Bibelübersetzung, entstanden in der Zeit zwischen 250 v. Chr. bis 100 n. Chr. im hellenistischen Judentum. Die Gelehrten übersetzten das hebräische Wort  עלמה (alma, „junge Frau“ von Heiratsreife bis zur Geburt ihres ersten Kindes) nur dieses eine Mal mit παρθένος (parthenos) und ließen damit die Deutung „Jungfrau“ zu.  Wir dürfen uns unter der Person Maria in dier Bibelstelle also ein circa dreizehnjähriges Mädchen vorstellen. Vielleicht etwas älter, aber nicht um vieles; Mädchen wurden zu dieser Zeit früh verheiratet.

Auch die Maria aus dem Lukasevangelium: Sie ist bereits verlobt, mit dem Zimmermann Josef. Die Ankündigung des Engels kann sie zuerst nicht verstehen. Eine Schwangerschaft? Vor der Ehe? Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Im Übrigen eine wirklich schöne Bezeichnung, mit einem Mann zu schlafen, wie ich finde. Die Antwort des Engels lässt sich in etwa darauf komprimieren: Für Gott ist nichts unmöglich. Maria nimmt die Ankündigung an mit den Worten: Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe wie du gesagt.

Verkündigung, dargestellt von Fra Angelico (+1455)

Ich verstehe dieses Geschehen immer gerne auch als Gleichnis, das sich an jeden Menschen, bis heute, richtet. Denn was geschieht hier? Maria hört die Stimme des Engels – also eines Boten, der von Gott kündet – vielleicht auch eine Stimme in ihr, in ihrem Herzen, die ihr eine besondere Aufgabe ankündigt. Eine Aufgabe, die nur ihr zugeteilt ist. Ihr ganz persönlicher Lebensweg. Sie muss sie nur annehmen, sich dafür entscheiden. Ja sagen. Das ist die Eigenschaft, die Maria voll und ganz verkörpert – das Annehmen ihrer Bestimmung. Diese wird in ihr Gestalt gewinnen und geboren werden.

Eine Frage, die ich mir schon öfter gestellt habe, ist die, inwieweit diese Eigenschaften mit denen des Mondprinzips in der Astrologie zu tun haben. Schon immer wird Maria im Laufe der Geschichte thronend auf einer Mondsichel dargestellt.

Sehr bekannte Mariendarstellung von Dürer

Was würde dafür sprechen, Maria als eine “Mondfrau” zu bezeichnen, also sie in die Nähe der archetypischen Eigenschaften dieses Prinzips hinzuordnen? Maria ist eine junge Frau. Die junge Frau ist allein schon dem Mondprinzip zuzuordnen, siehe meine Gedanken zu den weiblichen Archetypen. Maria wird Mutter: die Schwangerschaft und Mutterschaft wird dem Mond und dem Krebs zugeordnet. Sie verkörpert die Eigenschaft des Sichöffnens und Empfangens: wieder eine Fähigkeit des Weiblichen, des Mondes. Dass ich selber Krebs-AC bin, würde erklären, warum ich diese Bibelstelle so ansprechend  finde: Hier ist doch die Lebensaufgabe die, zur Geburt zu kommen, seine mütterlichen Fähigkeiten zu entwickeln und einzusetzen, empfänglich zu sein auf allen Ebenen.

So wie Maria vom Engel als “begnadet” angesprochen wird, gilt das im Grunde für uns alle. Jeder Mensch  ist begnadet, hat eine ganz bestimmte, ihm zugewiesene Aufgabe, er hat die Fähigkeiten dazu. Auch wenn er das zunächst einmal oft nicht versteht, nicht glauben und nicht annehmen kann.

Gott ist ganz leise/willst du ihn hören/werde ganz still, wie Maria es war/vielleicht hörst du dann/die Botschaft des Engels:/du bist voll Gnade der Herr ist mit dir.

Das ist der Text eines Kirchenliedes, das gestern gesungen wurde. Eine wunderschöne Zusammenfassung dessen, worum es hier geht.


 


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